Der Markt für große, siebensitzige Elektro-SUVs war lange eine Domäne hochpreisiger Premium-Hersteller. Wer Platz für mehr als fünf Personen und einen elektrischen Antrieb forderte, musste tief in die Tasche greifen oder auf einen Van wie den VW ID. Buzz ausweichen. Mit dem EV9 stößt Kia nun endgültig in diese Lücke vor und fordert mit dem überarbeiteten Modelljahr 2027 die etablierte Oberklasse heraus. Wir haben den Kia EV9 GT-line AWD, das Topmodell der Baureihe, einem intensiven 360-Grad-Praxistest unterzogen. Für einen Testwagenpreis von 91.890 Euro im Spätsommer 2026 verspricht der koreanische Riese eine Kombination aus Raum, Luxus und 800-Volt-Technik. Mit einer 99,8 kWh Netto-Batterie, 283 kW (385 PS) Allradantrieb und einem Design, das Köpfe verdreht, stellt sich die Frage: Ist der EV9 die smarte Alternative zum Mercedes EQS SUV und Volvo EX90 oder am Ende doch nur ein großer Blender, der an den eigenen Ambitionen scheitert?
Die harten Fakten unseres Testwagens sprechen eine deutliche Sprache. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h absolvierten wir in gemessenen 5,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 200 km/h elektronisch abgeregelt. Aus Tempo 100 steht der 2,7-Tonnen-Koloss nach beachtlichen 36,2 Metern. Der WLTP-Verbrauch von 22,8 kWh/100 km ist in der Praxis, wie so oft, nur die halbe Wahrheit. Unser Testverbrauch über 3.240 Kilometer pendelte sich bei 24,8 kWh/100 km ein, wobei die Spanne von 19,5 kWh im Stadtverkehr bis zu 30,1 kWh bei einer konstanten Autobahnfahrt mit 130 km/h reichte. Im Innenraum bleibt es dabei mit gemessenen 65,1 dB(A) bei Richtgeschwindigkeit angenehm leise. Der Basispreis für das heckgetriebene Modelljahr 2027 liegt bei 75.490 Euro. Kia meint es ernst, doch kann die Summe der Teile im anspruchsvollen deutschen Alltag überzeugen?
Design, Interieur und digitale Reifeprüfung
Man kann dem Kia EV9 vieles vorwerfen, aber nicht, dass er unauffällig wäre. Mit seiner Länge von 5,01 Metern, einer Breite von 1,98 Metern und der Höhe von 1,78 Metern ist er eine imposante Erscheinung. Die extrem kantige, fast monolithische Formensprache nach der „Opposites United“-Philosophie polarisiert nach wie vor. Die vertikalen „Star Map“-LED-Leuchten an Front und Heck verleihen ihm ein unverwechselbares Gesicht, besonders bei Nacht. Das Design ist ein Statement – eine bewusste Abkehr vom aerodynamisch optimierten Einerlei vieler Konkurrenten. Es vermittelt Robustheit und einen Hauch von amerikanischem Full-Size-SUV, ohne plump zu wirken. Für das Modelljahr 2027 hat Kia dezent an den Details gefeilt; die Lufteinlässe an der Front sind nun aktive Aerodynamik-Klappen, was den cW-Wert von 0,28 auf 0,275 drückt – ein für diese Kastenform bemerkenswerter Wert. Die GT-line unseres Testwagens unterstreicht den selbstbewussten Auftritt mit spezifischen Schürzen, dunklen Akzenten und massiven 21-Zoll-Leichtmetallfelgen, die den Radhäusern gut zu Gesicht stehen, aber das Fahrwerk fordern.
Der wahre Paukenschlag erfolgt beim Öffnen der schweren Türen. Der Innenraum des EV9 ist eine Oase der Geräumigkeit. Das flache, skateboard-ähnliche Chassis der E-GMP-Plattform ermöglicht einen Radstand von 3,10 Metern und damit Platzverhältnisse, die man sonst nur aus Luxuslinern oder Kleinbussen kennt. Das Cockpit wird von einem breiten Panel dominiert, das zwei 12,3-Zoll-Displays für Instrumente und Infotainment sowie ein dazwischenliegendes 5,3-Zoll-Display für die Klimasteuerung vereint. Die Materialqualität hat mit dem Facelift spürbar zugelegt. Kia verzichtet konsequent auf tierisches Leder und setzt stattdessen auf hochwertige vegane Bezüge, recycelte Kunststoffe und ansprechende Stoffapplikationen. Das alles fasst sich gut an und ist tadellos verarbeitet. Man fühlt sich nicht wie in einem Produkt, das nur über den Preis konkurriert, sondern wie in einem ernstzunehmenden Oberklasse-Fahrzeug. Die optionalen, in der zweiten Reihe um 180 Grad drehbaren „Swivel Seats“ unseres Testwagens schaffen eine lounge-artige Atmosphäre, sind im Alltag aber eher ein Gimmick als ein echtes Muss.
Die digitale Reifeprüfung besteht der EV9 im Modelljahr 2027 mit Bravour, wenn auch nicht ohne Tadel. Das „ccNC“ (Connected Car Navigation Cockpit) Infotainmentsystem läuft auf einer neuen Hardware-Generation, die für flüssige Animationen und schnelle Reaktionen sorgt. Die Menüstruktur wurde entrümpelt, bleibt aber in ihrer Tiefe komplex. Die Integration von kabellosem Apple CarPlay und Android Auto ist nun endlich Standard und funktioniert stabil. Der entscheidende Fortschritt liegt im Navigationssystem: Die Routenplanung mit Lade-Stopps ist nun deutlich zuverlässiger. Sie berücksichtigt den Echtzeit-Verbrauch, die Topografie und die prognostizierte Belegung an den Ladesäulen. Die manuelle Vorkonditionierung der Batterie vor einem Schnellladevorgang ist weiterhin möglich, aber das System aktiviert sie nun auch automatisch und zuverlässig, wenn ein HPC-Lader als Ziel im Navi eingegeben wird. Ein Kritikpunkt bleibt der „Kia Connect Store“. Zwar lassen sich Funktionen wie ein erweiterter Remote-Parkassistent oder spezielle Lichtmuster („Lighting Pattern“) nachträglich freischalten, doch die Preisgestaltung für diese digitalen Extras wirkt teilweise überzogen und hinterlässt einen faden Beigeschmack des permanenten Upsellings.
Antrieb, Fahrwerk und die Grenzen der Physik
Unter dem kantigen Blech des EV9 GT-line arbeitet ein potenter Allradantrieb mit zwei Elektromotoren, die zusammen eine Systemleistung von 283 kW (385 PS) und ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern bereitstellen. Diese Kraft reicht aus, um den 2.735 Kilogramm schweren Koloss mit einer beeindruckenden Vehemenz zu bewegen. Der von uns ermittelte Sprintwert von 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h unterbietet die Werksangabe um zwei Zehntel und sorgt für ungläubige Blicke bei manchem Sportwagenfahrer an der Ampel. Die Kraftentfaltung ist, wie bei E-Autos üblich, ansatzlos und extrem linear. Auf der Autobahn beschleunigt der EV9 auch jenseits der 150 km/h noch souverän bis zur abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Die Geräuschdämmung ist dabei exzellent. Selbst bei Tempo 130 bleibt der Innenraum mit 65,1 dB(A) ein ruhiger Ort, was langen Reisen den Schrecken nimmt. Das Zusammenspiel der beiden Motoren ist perfekt austariert, die Traktion unter allen Bedingungen tadellos.
Die größte Herausforderung für die Ingenieure war es, die gewaltige Masse des EV9 fahrwerkstechnisch zu bändigen. Kia setzt auf eine Mehrlenkerachse vorne wie hinten und im GT-line auf eine adaptive Dämpferregelung. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der in den meisten Situationen gut funktioniert. Auf der Autobahn gleitet der EV9 im „Normal“-Modus sanft dahin und schluckt lange Wellen gelassen. Kurze, harte Stöße, wie sie von Querfugen oder schlechten Stadtstraßen verursacht werden, dringen jedoch spürbar bis zu den Insassen durch – ein Tribut an die großen 21-Zoll-Räder und das hohe Gewicht. Im „Sport“-Modus wird das Fahrwerk spürbar straffer, die Wankneigung in Kurven reduziert sich, aber der Komfort leidet merklich. Auf kurvigen Landstraßen lässt sich der EV9 erstaunlich agil bewegen, solange man sich der schieren Größe und des Gewichts bewusst bleibt. Die Lenkung ist präzise und gibt eine ordentliche Rückmeldung, wirkt aber stets etwas synthetisch. Man kann die Physik nicht überlisten: Der EV9 ist ein komfortabler Gleiter, kein Kurvenräuber. Für seine Gewichtsklasse macht er seine Sache aber mehr als ordentlich.
Ein entscheidender Aspekt bei einem so schweren Fahrzeug ist die Bremsanlage. Die innenbelüfteten Scheibenbremsen an beiden Achsen packen kräftig zu und bringen den Fünf-Meter-Brocken aus 100 km/h nach nur 36,2 Metern zum Stehen – ein sehr guter Wert, der Vertrauen schafft. Das Zusammenspiel zwischen der hydraulischen Bremse und der Rekuperation ist Kia gut gelungen, der Übergang ist kaum spürbar. Die Rekuperationsleistung lässt sich über Wippen am Lenkrad in mehreren Stufen einstellen, bis hin zum „i-Pedal“-Modus. Dieser ermöglicht echtes Ein-Pedal-Fahren, bei dem das Fahrzeug bis zum Stillstand verzögert. Im Stadtverkehr ist dies eine äußerst komfortable und effiziente Art der Fortbewegung, die wir nach kurzer Eingewöhnung nicht mehr missen wollten. Die maximale Rekuperationsleistung liegt bei über 150 kW, was einen signifikanten Beitrag zur Gesamteffizienz im urbanen Stop-and-Go leistet.
Laden, Effizienz und die Realität der Langstrecke
Das Herzstück des Kia EV9 ist seine 800-Volt-Architektur, ein technischer Vorteil, den er sich mit den anderen Modellen der E-GMP-Plattform teilt. Die Lithium-Ionen-Batterie der vierten Generation verfügt über eine Bruttokapazität von rund 105 kWh, von denen 99,8 kWh netto nutzbar sind. Diese hohe Spannungslage ermöglicht extrem schnelle Ladezeiten, vorausgesetzt, man findet die passende Ladesäule. Kia verspricht eine Ladeleistung von bis zu 240 kW. In unserem Test an einer 350-kW-Säule von Ionity erreichte der EV9 bei idealen Bedingungen (22 Grad Außentemperatur, vorkonditionierte Batterie) in der Spitze sogar 242 kW. Viel wichtiger als der Peak ist jedoch die Ladekurve: Der EV9 hält ein hohes Ladeniveau über einen langen Zeitraum. Die 200-kW-Marke wird bis zu einem Ladestand von etwa 55 % gehalten, selbst bei 70 % fließen noch über 150 kW. Das Resultat ist eine beeindruckend kurze Ladezeit: Der Hub von 10 auf 80 Prozent war in unserem Test in exakt 23 Minuten erledigt. Damit gehört der EV9 auch 2027 noch zu den schnellsten Ladern am Markt und macht die Langstrecke deutlich planbarer.
Doch auch die schnellste Ladetechnik nützt wenig, wenn der Verbrauch zu hoch ist. Und hier zeigt sich die unbestechliche Physik. Ein 2,7 Tonnen schweres Fahrzeug mit der Stirnfläche einer Schrankwand kann kein Effizienzwunder sein. Der offizielle WLTP-Wert von 22,8 kWh/100 km für den GT-line ist nur mit einem sehr sanften Gasfuß und viel Stadt- und Landstraßenanteil erreichbar. Unser Praxistest zeichnet ein differenziertes Bild. Im reinen Stadtverkehr, wo der EV9 oft rekuperieren kann, zeigte der Bordcomputer erfreulich niedrige Werte um 19,5 kWh/100 km. Auf der Landstraße bei gemäßigtem Tempo waren es rund 21 kWh/100 km. Die Stunde der Wahrheit schlägt auf der deutschen Autobahn. Bei einer konstant gehaltenen Geschwindigkeit von 130 km/h (GPS-kalibriert) flossen im Schnitt 30,1 kWh pro 100 Kilometer durch die Leitungen. Das bedeutet, die realistische Autobahnreichweite im Sommer schmilzt auf etwa 330 Kilometer. Bei einem kurzen Wintertest bei Temperaturen um den Gefrierpunkt stieg der Autobahnverbrauch auf heftige 35,5 kWh/100 km, was die Reichweite auf rund 280 Kilometer drückt. Der Gesamttestverbrauch über 3.240 Kilometer mit einem Mix aus allen Fahrprofilen lag bei 24,8 kWh/100 km. Das ist für ein Fahrzeug dieser Größe und Leistung akzeptabel, aber weit entfernt von den Werten einer aerodynamisch optimierten Limousine.
Messwert | Kia EV9 GT-line AWD | Volvo EX90 Twin Motor | Mercedes EQS SUV 450 4MATIC | Rivian R1S Quad-Motor |
Leistung (kW/PS) | 283 / 385 | 300 / 408 | 265 / 360 | 623 / 847 |
Akku netto (kWh) | 99,8 | 107 | 108,4 | 129 |
0-100 km/h (s, Test) | 5,1 | 5,7 | 6,0 | 3,2 |
Ladeleistung Peak (kW) | 242 | 250 | 207 | 220 |
Ladedauer 10-80% (min) | 23 | 29 | 31 | 35 |
Verbrauch Test (kWh/100km) | 24,8 | 25,5 | 25,1 | 27,2 |
Reichweite Autobahn (km, Sommer) | 330 | 345 | 360 | 380 |
Kofferraum (l, 5-Sitzer) | 828 | 655 | 645 | 498 |
Preis Testwagen (ca. in €) | 91.890 | 108.000 | 125.000 | 105.000 |
Raumwunder, Nutzwert und der Kassensturz
Abseits von Ladekurven und Beschleunigungswerten liegt die wahre Stärke des Kia EV9 in seiner schieren Praktikabilität. Er ist als vollwertiger Siebensitzer konzipiert, und das ist keine Marketingfloskel. Der Zustieg zur dritten Sitzreihe gelingt dank der weit nach vorne fahrenden Sitze der zweiten Reihe erstaunlich gut. Und selbst dort können Personen bis zu einer Körpergröße von 1,80 Metern auf kürzeren Strecken noch passabel sitzen – ein klarer Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten, bei denen die letzte Reihe nur als Notsitz für Kinder taugt. In der fünfsitzigen Konfiguration offenbart der EV9 einen Kofferraum von gigantischen 828 Litern nach VDA-Norm. Selbst bei voller Bestuhlung bleiben noch alltagstaugliche 333 Liter übrig, genug für den Wocheneinkauf oder ein paar Sporttaschen. Werden alle hinteren Sitze umgeklappt, entsteht eine topfebene Ladefläche mit einem Volumen von über 2.500 Litern – das ist Transporter-Niveau. Hinzu kommt ein Frunk unter der Fronthaube, der in der Allradversion 52 Liter fasst. Genug, um Ladekabel, ein Notfallset und Kleinigkeiten aufzunehmen, was den Hauptkofferraum frei hält.
Der Nutzwert wird durch weitere durchdachte Details unterstrichen. Die Anhängelast des Allradmodells beträgt beeindruckende 2.500 Kilogramm. Damit wird der EV9 zu einem potenten Zugfahrzeug für Wohnwagen, Pferde- oder Bootsanhänger. Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass der Verbrauch mit einem schweren Anhänger dramatisch ansteigt und die Reichweite auf unter 200 Kilometer sinken kann. Die maximale Zuladung liegt bei unserem Testwagen bei 565 Kilogramm. Das ist für ein Siebensitzer-SUV ein ordentlicher, aber kein überragender Wert. Reist man mit sieben 80-Kilo-Erwachsenen, ist die Zuladung bereits ausgereizt, ohne dass ein einziges Gepäckstück an Bord ist. Ein weiteres Highlight ist die Vehicle-to-Load (V2L) Funktion. Über einen Adapter für den Ladeport oder eine 230-Volt-Steckdose im Kofferraum kann der EV9 externe Geräte mit bis zu 3,6 kW Leistung versorgen. Ob Kaffeemaschine beim Camping, die Heckenschere im Garten oder das Laden eines anderen E-Autos – diese Funktion erweitert den Einsatzbereich des Fahrzeugs erheblich und macht es zu einer mobilen Powerbank.
Am Ende steht der Kassensturz. Kia hat sich mit dem EV9 preislich weit aus dem gewohnten Territorium gewagt. Das Basismodell mit Heckantrieb und kleinerem Akku (nicht im Test) startet im Modelljahr 2027 bei 75.490 Euro. Unser voll ausgestatteter GT-line AWD inklusive aller Pakete, der drehbaren Sitze und der Lackierung landet bei 91.890 Euro. Das ist eine gewaltige Summe für einen Kia. Setzt man diesen Preis jedoch in Relation zur Konkurrenz, relativiert sich das Bild. Ein vergleichbar ausgestatteter Volvo EX90 oder Mercedes EQS SUV kostet schnell 20.000 bis 35.000 Euro mehr. Der EV9 bietet dabei in vielen praktischen Disziplinen, wie dem Platzangebot in Reihe drei oder dem Kofferraumvolumen, schlichtweg mehr. Die siebenjährige Herstellergarantie (oder 150.000 km), die auch die Batterie umfasst, ist ein weiteres starkes Argument, das für finanzielle Planungssicherheit sorgt. Die Betriebskosten sind dank geringer Wartung und, je nach Stromtarif, günstiger Energie im Vergleich zu einem Diesel-SUV dieser Größe deutlich niedriger. Dennoch: Der EV9 ist kein Schnäppchen, sondern ein teures Fahrzeug, das seinen Preis aber mit einem enormen Gegenwert rechtfertigt.
Alex Winds Gesamtfazit & Kaufberatung
Nach über 3.000 Kilometern im Kia EV9 GT-line bleibt ein klares Bild: Kia hat nicht nur ein großes Elektroauto gebaut, sondern das Konzept eines siebensitzigen Familien-SUVs konsequent zu Ende gedacht. Das Fahrzeug überzeugt dort, wo es für die Zielgruppe am wichtigsten ist: beim Platzangebot, der Variabilität und der Alltagstauglichkeit. Der Innenraum ist eine Klasse für sich, die dritte Sitzreihe ist mehr als nur ein Alibi und das Kofferraumvolumen ist schlichtweg gewaltig. Gepaart mit der potenten Anhängelast und der nützlichen V2L-Funktion wird der EV9 zu einem Schweizer Taschenmesser für die aktive Großfamilie. Die 800-Volt-Architektur sorgt für Ladezeiten, die auch lange Reisen ohne ausufernde Pausen ermöglichen und nimmt der Langstrecke ihren Schrecken. Das Design ist mutig und verleiht dem Wagen einen hohen Wiedererkennungswert in einem zunehmend uniformen Markt.
Doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Die physikalischen Grenzen kann auch Kia nicht verschieben. Der hohe Verbrauch bei schneller Autobahnfahrt ist der Preis für die Kombination aus hohem Gewicht und großer Stirnfläche. Die realistische Winterreichweite von unter 300 Kilometern auf der Autobahn erfordert eine gute Routenplanung. Das Fahrwerk ist ein gelungener Kompromiss, kann aber auf schlechten Straßen mit den 21-Zoll-Rädern nicht den sänftenartigen Komfort mancher Premium-Wettbewerber bieten. Und obwohl die Software mit dem Modelljahr 2027 spürbar gereift ist, bleibt die Bedienlogik in ihrer Tiefe komplex und erfordert Einarbeitung. Der hohe Preis positioniert den EV9 zudem in einer Liga, in der Markenimage und Prestige eine große Rolle spielen – ein Feld, auf dem Kia gegen die deutsche Premium-Konkurrenz noch aufholen muss.
Für wen ist der Kia EV9 also die richtige Wahl? Er ist das Auto für all jene, die maximale Praktikabilität und Raum benötigen und dafür nicht den Premium-Aufschlag von Mercedes oder Volvo zahlen wollen oder können. Er richtet sich an Familien, die regelmäßig mehr als fünf Personen transportieren, einen großen Hund haben, einen Wohnwagen ziehen oder einfach nur ein extrem geräumiges und vielseitiges Fahrzeug für Alltag und Abenteuer suchen. Wer auf der Suche nach dem besten Preis-Raum-Verhältnis im Segment der großen E-SUVs ist, kommt am EV9 nicht vorbei. Er ist die pragmatische, durchdachte und technologisch hochmoderne Wahl. Er mag nicht das Prestige eines Sterns auf der Haube haben, aber er liefert in fast allen rationalen Kriterien ein überzeugenderes Gesamtpaket als viele seiner teureren Konkurrenten.










