Paris – Der Pariser Autosalon, einst eine der unumstößlichen Säulen der Automobilwelt, hat in den letzten Jahren an Glanz verloren. Doch für die Herbstmesse 2026 hat Peugeot die Bühne eindrucksvoll für sich zurückerobert. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der neue Peugeot e-408 Cross, ein elektrisches Crossover-Coupé, das eine strategisch bedeutsame Lücke im Portfolio der Löwenmarke schließt. Basierend auf der mittlerweile etablierten STLA Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns, positioniert sich der e-408 Cross als emotionales und reichweitenstarkes Angebot im hart umkämpften C-Segment. Er ist die direkte Antwort auf Modelle wie den Cupra Tavascan, den Renault Rafale E-Tech und den Volkswagen ID.5, die das Feld der schnittigen Elektro-Crossover seit einiger Zeit erfolgreich beackern.
Peugeot-CEO Linda Jackson ließ bei der Enthüllung keinen Zweifel an den Ambitionen: „Der e-408 Cross ist die Synthese aus dem, was unsere Kunden heute verlangen: ausdrucksstarkes Design, eine überlegene Reichweite für die Langstrecke und ein Innenraumerlebnis, das Maßstäbe setzt. Er ist kein Kompromiss, sondern die bewusste Entscheidung für eine neue Form der Elektromobilität.“ Die Eckdaten untermauern diesen Anspruch. Mit einer optionalen 98-kWh-Batterie (netto) soll eine WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern realisiert werden, ein Wert, der bis vor kurzem Oberklasse-Limousinen vorbehalten war. Kombiniert mit einem geschärften Design und der neuesten Generation des Panorama i-Cockpits, schickt Peugeot einen Kandidaten ins Rennen, der das Potenzial hat, die Kräfteverhältnisse im Segment neu zu justieren. Der Marktstart in Europa ist für das zweite Quartal 2027 anvisiert.
Design und Positionierung: Mehr als nur ein e-3008 Coupé?
Auf den ersten Blick mag der e-408 Cross wie eine Coupé-Variante des erfolgreichen e-3008 erscheinen, doch diese Einordnung greift zu kurz. Zwar teilt er sich die technische Basis und viele Grundproportionen mit seinem pragmatischeren Bruder, doch die Designabteilung unter Matthias Hossann hat eine spürbar eigenständige Linienführung realisiert. Die Frontpartie wirkt durch einen flacheren, breiteren Kühlergrill und neu gezeichnete, schärfere LED-Scheinwerfer im Drei-Krallen-Design aggressiver. Die eigentliche Differenzierung findet jedoch ab der A-Säule statt. Die Windschutzscheibe steht flacher, die Dachlinie fällt bereits ab der B-Säule sanft nach hinten ab und mündet in einem markanten Fastback-Heck mit integriertem Spoiler. Dieses Design ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern dient vor allem der aerodynamischen Effizienz. Peugeot gibt einen cW-Wert von 0,25 an, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem e-3008 (0,28) und ein entscheidender Faktor für die hohe Reichweite.
Der Namenszusatz „Cross“ ist dabei mehr als nur ein Marketing-Etikett. Mit einer Bodenfreiheit von 18 Zentimetern übertrifft er die des Verbrenner- und PHEV-408 um rund zwei Zentimeter und liegt auf dem Niveau vieler klassischer Kompakt-SUVs. Robuste, schwarz abgesetzte Radläufe und Seitenschweller unterstreichen diesen Charakter. Peugeot zielt damit auf eine Kundschaft, die die erhöhte Sitzposition und das Gefühl von Sicherheit eines SUVs schätzt, aber nicht auf eine dynamische, coupéhafte Silhouette verzichten möchte. Im direkten Vergleich zum Renault Rafale wirkt der e-408 Cross skulpturaler und weniger opulent, gegenüber dem expressiven Cupra Tavascan gibt er sich eleganter und reifer. Er schließt die Lücke zwischen den Welten und könnte damit einen breiten Geschmack treffen.
In der Praxis bedeutet die abfallende Dachlinie natürlich leichte Kompromisse bei der Kopffreiheit im Fond. Personen über 1,85 Meter dürften den Dachhimmel spüren. Überraschend ist jedoch das Kofferraumvolumen. Durch das lange Fastback-Heck und die große Heckklappe bietet der e-408 Cross ein Standardvolumen von 515 Litern, das sich bei umgeklappten Rücksitzen auf bis zu 1.580 Liter erweitern lässt. Damit übertrifft er den Cupra Tavascan (540 Liter) zwar nicht, liegt aber auf einem sehr konkurrenzfähigen Niveau und beweist, dass sich Design und Nutzwert nicht ausschließen müssen. Ein kleiner Frunk unter der Fronthaube für das Ladekabel rundet das durchdachte Paket ab.
STLA Medium: Die 400-Volt-Strategie unter der Lupe
Unter dem aufwendig geformten Blechkleid des e-408 Cross arbeitet die bekannte und bewährte STLA Medium-Plattform. Seit ihrer Einführung im e-3008 hat sie sich als flexible und effiziente Basis für eine ganze Reihe von Konzernmodellen etabliert. Peugeot bleibt dabei der 400-Volt-Architektur treu, eine Entscheidung, die im Zeitalter der zunehmenden 800-Volt-Systeme bei Hyundai, Kia oder Porsche einer genaueren Betrachtung bedarf. Die Stellantis-Ingenieure argumentieren, dass eine hochoptimierte 400-Volt-Plattform mit intelligentem Thermomanagement und einer stabilen Ladekurve für das C- und D-Segment den besten Kompromiss aus Leistung, Kosten und realweltlichem Nutzen darstellt. Die Ladeleistung von 20 auf 80 Prozent in unter 30 Minuten für die große 98-kWh-Batterie bestätigt diese These zumindest auf dem Papier. Dies impliziert eine durchschnittliche Ladeleistung von über 137 kW in diesem Fenster. Peugeot gibt eine maximale Ladeleistung von 185 kW an, ein solider Wert, der an den meisten HPC-Ladern der neuesten Generation, die in Deutschland mittlerweile flächendeckend mit Leistungen von 300 kW und mehr zur Verfügung stehen, auch über einen längeren Zeitraum gehalten werden soll.
Zwei Batteriegrößen werden zum Marktstart angeboten. Die Basis bildet ein Akku mit 87 kWh Nettokapazität, der für die Single-Motor-Variante eine WLTP-Reichweite von rund 600 Kilometern ermöglichen soll. Das eigentliche Highlight ist jedoch die „Maxi Range“-Version mit 98 kWh Netto-Kapazität. Dieser Akku, der aus NMC-Zellen des ACC-Werks (Automotive Cells Company) in Kaiserslautern bestückt wird, ermöglicht die beworbenen 700+ Kilometer. Beim Antrieb setzt Peugeot auf die selbst entwickelten und im französischen Trémery gefertigten Permanentmagnet-Synchronmotoren der M3-Baureihe. Die Basisversion kommt als Fronttriebler mit 170 kW (231 PS) und 345 Nm Drehmoment. Eine stärkere Allradversion „Electric 385“ kombiniert diesen Motor an der Vorderachse mit einem zusätzlichen 80-kW-Aggregat an der Hinterachse, was zu einer Systemleistung von 285 kW (388 PS) führt. Diese Top-Version ist ausschließlich mit der großen 98-kWh-Batterie gekoppelt und dürfte für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in unter 5,5 Sekunden gut sein, womit sie auf Augenhöhe mit einem VW ID.5 GTX oder dem stärkeren Cupra Tavascan VZ liegt.
Modell | Antrieb | Leistung (kW/PS) | Akku (netto, kWh) | WLTP-Reichweite (km) | Ladeleistung (DC, max. kW) | 0-100 km/h (s) | Basispreis (ca. in €) |
Peugeot e-408 Cross Electric 230 | FWD | 170 / 231 | 87 | ~600 | 185 | ~7,5 | 52.500 |
Peugeot e-408 Cross Electric 230 Maxi Range | FWD | 170 / 231 | 98 | ~710 | 185 | ~7,6 | 56.000 |
Peugeot e-408 Cross Electric 385 | AWD | 285 / 388 | 98 | ~650 | 185 | ~5,4 | 64.000 |
Cupra Tavascan Endurance | RWD | 210 / 286 | 77 | 568 | 135 | 6,8 | 54.800 |
Renault Rafale E-Tech 4×4 300 | AWD (PHEV) | 220 / 300 | 22 | 100 (elektr.) | 7,4 (AC) | 6,4 | 58.000 |
VW ID.5 Pro (Modell 2027) | RWD | 220 / 299 | 86 | ~610 | 175 | 6,6 | 53.000 |
Panorama i-Cockpit und die digitale Reifeprüfung
Der Innenraum des e-408 Cross markiert den nächsten Evolutionsschritt des Peugeot i-Cockpits. Das bestimmende Element ist das neue „Panorama i-Cockpit“, das bereits im e-3008 eingeführt wurde. Ein freistehender, leicht zum Fahrer gebogener 21-Zoll-HD-Bildschirm thront über dem extrem kleinen, fast rechteckigen Lenkrad. Dieser Screen vereint das digitale Kombiinstrument und den zentralen Infotainment-Touchscreen zu einer nahtlosen Einheit. Die Darstellung ist gestochen scharf, die Farben brillant. Peugeot hat die Benutzeroberfläche weiter optimiert. Unterhalb des Hauptbildschirms befindet sich eine zweite, schmalere Touch-Leiste, die sogenannten „i-Toggles“. Hier können bis zu zehn frei konfigurierbare Kurzbefehle für häufig genutzte Funktionen wie Navigation, Klimasteuerung oder Telefonkontakte abgelegt werden. Dies ist ein cleverer Versuch, die Bedienung zu vereinfachen, ohne auf physische Tasten zurückzugreifen, deren Fehlen nach wie vor ein Kritikpunkt vieler Fahrer ist.
Die Software dahinter, STLA Brain, zeigt eine deutliche Reife. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist hoch, die Menüstruktur logischer als bei früheren Systemen. Over-the-Air-Updates für nahezu alle Fahrzeugsysteme sind mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Besonders hervorzuheben ist der weiterentwickelte Sprachassistent, der auf ChatGPT-4-Technologie basiert und nicht nur Fahrzeugfunktionen steuert, sondern auch komplexe Fragen beantworten und kontextbezogene Konversationen führen kann. Die Routenplanung inklusive Ladestopps wurde ebenfalls verbessert. Das System berücksichtigt nun in Echtzeit die Belegung von Ladesäulen, die Topografie der Strecke und den individuellen Fahrstil, um präzise Reichweiten- und Ladezeitprognosen zu erstellen. Die Vorkonditionierung der Batterie vor einem geplanten Schnellladevorgang erfolgt automatisch und ist entscheidend für das Erreichen der maximalen Ladeleistung.
Die Materialauswahl und Verarbeitungsqualität im Innenraum unterstreichen den angestrebten Premium-Anspruch. Weich unterschäumte Kunststoffe, hochwertige Stoffe – optional aus recycelten Materialien – und präzise gesetzte Ziernähte erzeugen eine hochwertige Atmosphäre. Die Sitze, die in der Top-Ausstattung das AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken e.V.) tragen, bieten exzellenten Langstreckenkomfort und guten Seitenhalt. Das Ambiente wird durch eine in acht Farben einstellbare LED-Beleuchtung abgerundet, die sich hinter den Stoffverkleidungen an Armaturenbrett und Türen verbirgt. Trotz des technologischen Fokus hat Peugeot nicht vergessen, praktische Ablagen zu integrieren, was den Alltagskomfort spürbar erhöht.
Alex Winds Einordnung & Fazit
Der Peugeot e-408 Cross ist mehr als nur eine weitere Modellvariante auf einer Konzernplattform. Er ist ein klares Statement und ein strategisch kluger Schachzug von Stellantis. In einem Marktsegment, das zunehmend von stilistischen Crossover-Coupés geprägt wird, liefert Peugeot ein Produkt, das auf den ersten Blick durch sein elegantes, dynamisches Design überzeugt. Doch die wahre Stärke des e-408 Cross liegt in der Substanz, die sich darunter verbirgt. Die Kombination aus der reichweitenstarken 98-kWh-Batterie und der aerodynamischen Effizienz adressiert die Kernsorge vieler potenzieller Elektroauto-Käufer: die Langstreckentauglichkeit. Eine WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern ist eine Ansage, die den e-408 Cross aus der Masse heraushebt und ihn zu einer ernsthaften Alternative für Fahrer macht, die regelmäßig weite Strecken zurücklegen.
Die Entscheidung, an der 400-Volt-Architektur festzuhalten, wird sicherlich für Diskussionen sorgen. Während Wettbewerber aus Korea und Deutschland mit 800-Volt-Systemen und Ladezeiten von unter 20 Minuten werben, setzt Stellantis auf eine kostenoptimierte, aber hochgradig effiziente Lösung. Für die Zielgruppe des e-408 Cross dürfte dieser Ansatz jedoch absolut schlüssig sein. Eine Ladeleistung von 185 kW Peak und eine stabile Kurve, die einen Hub von 20 auf 80 Prozent in unter 30 Minuten ermöglicht, ist für die allermeisten Anwendungsfälle mehr als ausreichend. Die eingesparten Kosten im Vergleich zu einer 800-Volt-Architektur erlauben es Peugeot, den großen 98-kWh-Akku zu einem konkurrenzfähigen Preis anzubieten, was am Ende des Tages für den Kunden den größeren Mehrwert darstellen könnte: Lieber fünf Minuten länger laden, dafür aber 100 Kilometer weiter fahren.
Preislich positioniert Peugeot den e-408 Cross selbstbewusst. Mit einem geschätzten Einstiegspreis von rund 52.500 Euro für das Modell mit 87-kWh-Akku und ca. 64.000 Euro für die allradgetriebene Top-Version bewegt er sich am oberen Ende des C-Segments und schielt bereits in Richtung von Premium-Wettbewerbern wie dem Tesla Model Y oder dem Audi Q4 e-tron. Doch die gebotene Ausstattung, die hohe Reichweite und das ausdrucksstarke Design rechtfertigen diese Positionierung. Der e-408 Cross ist kein Auto für den reinen Pragmatiker – diese Rolle füllt der e-3008 perfekt aus. Er ist ein Fahrzeug für den designorientierten Individualisten, der bereit ist, für Stil und eine überlegene Reichweite einen Aufpreis zu zahlen, ohne dabei auf einen hohen Alltagsnutzen verzichten zu wollen. Mit diesem Profil hat Peugeot einen äußerst attraktiven und wettbewerbsfähigen Kandidaten geschaffen, der das Segment der elektrischen Crossover-Coupés nachhaltig prägen wird.